Das Feld | Texte
Überglücklich wären Bauern, wollten sie nur die eigenen Güter erkennen! Aufs gerechteste lässt ihnen die Erde von selbst, fern von Zwist und Krieg, leicht erworbenen Unterhalt aus dem Boden quellen.
(Vergil, Georgica. Vom Landbau. Stuttgart 2013, S. 67)

Die Sehnsucht des Städters nach einem „einfachen Leben“ auf dem Lande ist auf falsches Bewusstsein angewiesen, aber in ihrer Falschheit enthält sie … Momente der Wahrheit. Während die Arbeitenden in der Stadt der Tendenz nach entweder eine körperfeindliche Arbeit am Schreibtisch vollbringen müssen oder ihren Körper kopflos einer toten Maschinerie in der Fabrik überantworten müssen … vollbringen die Bauern produktive Leistungen, die Kopf- und Handarbeit … vereinen können. Die Arbeit des Bauern zeigt im Vergleich zu den zum stereotypen Ritual geschrumpften Tätigkeiten in Fabrik, Büro oder Kaufhaus ein ungleich höheres Mass an Selbstbestimmung und Vielseitigkeit.
(Gerhard Vinnai, Landleben und gesellschaftlicher Fortschritt, in: Anna Dorothea Brockmann (Hg.), Landleben. Ein Lesebuch von Land und Leuten, Argumente und Reportagen. Reinbek bei Hamburg 1977)

Die Umstände der Natur zwingen Landwirte wie Zahn immer wieder, sich anzupassen, um ihren Boden zu schützen und ihre Existenz zu sichern. Doch der Kampf um widerstandsfähige Landwirtschaft wird längst auch auf dem Bodenmarkt entschieden. Nach der Wende verkaufte die BVVG (Bodenverwertungs- und -verwaltungs GmbH), eine Nachfolgeeinrichtung der Treuhandanstalt, über eine Million Hektar des alten DDR-Volkseigentums nach Höchstgebot. … Das trieb die Preise in absurde Höhen.
(Pauline Cruse. Ausverkauftes Land. In Brandenburg gibt es immer weniger, aber größere Höfe. Agrarland wird an externe Höchstbietende verkauft, kleine Betriebe leiden darunter. In: taz vom 28.7.2026; hier geht es zum vollständigen Artikel)
Das Bild von der Landwirtschaft ist oft idealisiert. Die Realität, die sieht oft anders aus. Heumachen, wenn das Wetter passt, kein Wochenende. Lebensmittelkonzerne, die Preise zum Großteil diktieren. Anpassungen an Klimawandel, Tierschutz, viel Papierkram, oft fehlen dann auch noch die Hofnachfolger. … Die Bauern wünschen sich mehr Rückhalt von der Gesellschaft und Planungssicherheit. Dass sie eben von der Gesellschaft sozusagen den Rückhalt haben, für die Entscheidung, die sie jetzt treffen, auch in 5 oder 10 Jahren nicht bestraft zu werden. … Das System Landwirtschaft, in dem die Landwirte dann sozusagen die Bösen sind, das muss man sozusagen trennen von dem einzelnen Landwirt, der wie gesagt auch im Gefühl vieler Menschen gar nicht so sehr was dafür kann. Aber dieses System wird einfach wahnsinnig stark kritisiert. Und was wird da kritisiert? Was sind die Ansprüche der Gesellschaft?
Aber die Ansprüche an die Landwirtschaft, die steigen tatsächlich von ganz vielen Seiten. Das kann psychisch überfordern und Hilfsangebote wie Notfalltelefone oder Beratungsstellen, die sind nicht mitgewachsen, auch wenn das Bewusstsein für seelische Gesundheit steigt.
(Till Opitz. Landwirtschaft unter Druck. So erschöpft sind die Bauern, Deutschlandfunk, 20. Juni 2024, 20.10 Uhr) Hier im Ganzen nachzuhören.
Beteiligte Künstler
Heike Zappe
Heike Zappes künstlerisch-dokumentarische Arbeiten interpretieren insbesondere die Themen Wandel und Vergänglichkeit. Dabei bedient sie sich einer poetischen Bildsprache. Ihr Interesse in der Fotografie gilt dem Einfluss des Menschen als Teil der Natur auf seinen Lebensraum und den sich daraus ergebenden Wechselwirkungen.Sie absolvierte gerade ein Fotografiestudium an der Ostkreuzschule für Fotografie Berlin in der Klasse von Göran Gnaudschun sowie die Klasse Mahler bei Ute und Werner Mahler. Sie erwarb ein Diplom in Deutscher Sprache und Literatur, in Kunst und Kulturwissenschaft sowie einen Facharbeiter als Instandhaltungsmechaniker. Heike Zappe ist Mitglied im Berufsverband Bildender Künstler:Innen Berlin. Sie lebt und arbeitet im Oderbruch (Brandenburg) und in Berlin.
Mehr Informationen zu Heike Zappe gibt es hier.
Richard Peter jun.
Richard Peter jun. (* 13. März 1915 in Essen; † 12. Januar 1978 in Dresden) war ein deutscher Fotograf und Industriefotograf. In den 1980er Jahren gehörte der Dresdner Bildjournalist Richard Peter jun. zu den prominenten Fotografen der DDR Der fotografische Nachlass von Richard Peter jun. wurde 1984 durch die Deutsche Fotothek erworben. Der Bestand umfasst rund 4.000 Kleinbild- und 13.500 Mittelformat-Negative sowie rund 1.000 Positive 18/24 und 30/40 aus dem Zeitraum 1948 bis 1973. Im Jahr 2012 wurden – unter Auslassung von Zweitbelichtungen und Dubletten – rund 3.500 Kleinbild- und 6.500 Mittelformat-Negative digitalisiert. Die Präsenz Peter jun. im Archiv der Fotografen soll dahingehend stimulieren, die Werke von Pressefotografen als zentrales Feld politischer Öffentlichkeit auch daraufhin zu untersuchen, wie Bilder in der DDR produziert, vervielfältigt, vermarktet und publiziert worden sind.
Manfred Neumann
Manfred Neumann wurde 1938 im ostpreußischen Groß Weißensee geboren. Von 1952 bis 1955 absolvierte er eine Malerlehre. Neumann studierte er zuerst bis 1959 an der Fachschule für angewandte Kunst Heiligendamm und von 1959 bis 1964 bei Heinz Lohmar und Rudolf Bergander an der Hochschule für Bildende Künste Dresden. Seit 1966 arbeitet er als freiberuflicher Künstler in Frankfurt (Oder).
In der DDR hatte Neumann eine bedeutende Zahl von Einzelausstellungen und war er an wichtigen zentralen und regionalen Ausstellungen beteiligt, u. a. von 1972 bis 1988 an der VII. bis X. Kunstausstellung der DDR in Dresden.
Mehr Informationen zu Manfred Neumann gibt es hier.