Wald | Texte
Bin im Wald. Kann sein, daß ich mich verspäte,
(Buchtitel von Peter Handke)
O Täler weit, o Höhen,
O schöner, grüner Wald,
Du meiner Lust und Wehen
Andächt′ger Aufenthalt!
Da draußen, stets betrogen,
Saust die geschäft′ge Welt,
Schlag noch einmal die Bogen
Um mich, du grünes Zelt!
Wenn es beginnt zu tagen,
Die Erde dampft und blinkt,
Die Vögel lustig schlagen,
Daß dir dein Herz erklingt:
Da mag vergehn, verwehen
Das trübe Erdenleid,
Da sollst du auferstehen
In junger Herrlichkeit!
(Aus: Joseph von Eichendorff, Abschied)

Der Umfang der Schäden ist auf nunmehr 50 Prozent der Waldfläche angestiegen. Der Anteil der stark geschädigten und abgestorbenen Bäume hat 110.000 Hektar erreicht. Da nun auch bei den Laubbäumen die Schäden drastisch angestiegen sind, erreichen die möglichen ökologischen und waldbaulichen Folgen eine neue Dimension.
(Ignaz Kiechle, Agrarminister der damaligen Bundesregierung zum ersten Waldzustandsbericht 1984)
Es bedurfte erst der Sicherheit der Städte, um das Gefühl romantischer Natursehnsucht zu empfinden. Dazu gehörte von Anfang an die Erfahrung des Verlustes: des persönlichen lebensgeschichtlichen Verlustes eines Erfahrungsraumes, aber auch des Verlustes eines Teils der natürlichen Umwelt. Die Wälder der romantischen Dichter und Maler waren Seelenlandschaften, Erinnerungswälder, die diesen städtischen Intellektuellen bereits als Wohnort verloren gegangen waren. … Dabei waren die Wälder in Mitteleuropa damals längst keine unberührten Naturlandschaften mehr, sondern wirtschaftlich intensiv genutzte Flächen. Infolge wirtschaftlicher Übernutzung befand sich der Wald an der Wende vom 18. zum 19. Jahrhundert in einer erbärmlichen ökologischen Situation. Die heutigen Waldzustände nehmen sich im Vergleich dazu idyllisch aus.
(Albrecht Lehmann: Mythos Deutscher Wald, in: Der Bürger im Staat, 51 (2001), H. 1, Hg: Landeszentrale für politische Bildung Baden-Württemberg)

Nach der Natur gez. von Prof. Roesel (nach „Die Forst-Insecten“ von J. T. C. Ratzeburg, 1839)
Ich floh den gelben Menschenneid,
Ich floh in die grüne Waldeinsamkeit.
Im Wald, im Wald! da konnt ich führen
Ein freies Leben mit Geistern und Tieren.
(Aus: Heinrich Heine, Waldeinsamkeit)
Erste Spuren eines Borkenkäferbefalls führt J. F. Gmelin 1787 für das 15. Jahrhundert im Harz auf. Zuverlässige Nachrichten liegen seit dem 16. Jahrhundert vor. Im 18. Jahrhundert schließlich nahmen die Schadensmeldungen immer mehr zu, so zum Beispiel 1748/1749 aus der Lüneburger Heide. Besonders häufig jedoch begegnen uns Berichte aus dem Harz, wo vor allem zwischen 1779 und 1785 „grossartige Waldbeschädigungen“ gemeldet wurden, „die wohl geeignet waren, die Forstwirthe mit Schrecken zu erfüllen“ (Bernhardt 1874). In den 1780er-Jahren sollen in den Harzer Kommunionforsten über 1,1 Mio. Stämme der „Wurmtrocknis“ zum Opfer gefallen sein (Beck 1909). Übrigens bezeichnete man den gemeinen Borkenkäfer (Bostrichus typographus L.) seinerzeit oft als „Schwarzen Wurm“, „Fliegenden Wurm“ oder Ähnliches. Das Vertrocknen und Absterben der befallenen Bäume ging als „Wurmtrocknis“ in die damalige Fachliteratur ein.
(Bernward Selter: Vom „fliegenden Wurm“ und anderen Schadereignissen. Anmerkungen zum historischen Auftreten von Waldkalamitäten. Landesbetrieb Wald und Holz NRW (Hg.): Zentrum für Wald und Holzwirtschaft. Jahresbericht 2019/2020. Münster, 11-19.)

Der Privatwald in Deutschland nimmt 46% der Gesamtwaldfläche ein. Während die Zahl der bäuerlichen Privatwaldbesitzer aufgrund des Strukturwandels zurückgeht, nimmt die Zahl der Kleinstwaldbesitzer (unter 5 ha), die keine Verbindung mehr zur Landwirtschaft haben, zu. Dadurch ergibt sich eine große Vielfalt neuer Eigentümerziele, welche über rein forstwirtschaftlich-ökonomische Vorstellungen hinausgehen.
(Karl-Reinhard Volz: Wem gehört eigentlich der Wald?, in: Der Bürger im Staat, 51 (2001), H. 1, Hg: Landeszentrale für politische Bildung Baden-Württemberg)
Weiterführende Texte:
Waldzustandsbericht der Bundesregierung 1992
(Deutscher Bundestag, 12. Wahlperiode, Drucksache 12/3845)
Beteiligte Künstler
Volkmar Köhler
Geboren 1950 in der Oberpfalz, Studium in Hessen, 1976/1977 Arbeitsaufenthalt in Lateinamerika | seit 1983 freischaffender Künstler und Netzwerker mit Aktivitäten Malerei, Installationen und Objekte, Lesungen, inszenierte Literatur, Farbmenues, Ausstellungseröffnungsreden | war 15 Jahre Vorsitzender des Künstlerbundes Heilbronn | vor der Umsiedlung im April 2020 nach Müncheberg (Märkisch-Oderland) hat er lange in Baden-Württemberg gelebt | in seinem neuen Arbeits- und Wohnort im Märkischen hat Volkmar Köhler sofort mit seiner Kunst&Literaturwerkstatt kulturelle Akzente gesetzt | seit 1983 zahlreiche Einzel- und Gruppenausstellungen, darunter in den letzten Jahren: Kunstetage Heilbronn; Inselspitze Heilbronn; »Labyrinth« 2018, 2020 in Frankfurt/Oder und Slubice; »Rollenbild« TU Hamburg-Harburg; »typisch Kafka« Kunstverein Heilbronn; »Materie und Raum« Gießen; Kunstverein Böblingen; »brennend« Marienkirche Frankfurt/Oder; ART Karlsruhe; Galerie Kuhn Berlin; Art Bodensee Dornbirn
Mehr unter: www.kuliwe.de
Paul W. John
Paul W. John (* 30. April 1887 in Löbsch (Danziger Bucht); † 23. April 1966 in Berlin) war ein deutscher Fotograf und Landschaftsfotograf. Sein veröffentlichtes Werk beschreibt fast lückenlos Deutsche Landschaften und Städte. Trotz seines eher traditionellen Bezugsrahmens verblüfft John immer wieder mit kühnen Linien und gewagten Bildausschnitten, die ihn heute als Fotografen von Rang ausweisen. Seine Begeisterung für architektonische Formen ließ ihn die städtebaulichen Veränderungen mit der Kamera sorgfältig registrieren. Die schwierigen Arbeitsbedingungen insbesondere während des Dritten Reiches und die restriktive Lenkung der Pressefotografie erschwerten ihm die Arbeit. Trotz aller Widrigkeiten entstand mit seinem Werk über viele Jahre ein facettenreiches Archiv der deutschen Topographie. Sein Nachlass gelangte 2013 aus Privatbesitz in die Deutsche Fotothek. Enthalten sind rund 9.000 Vintage Prints, darunter 222 Ausstellungsabzüge und 5.000 Glas- und Filmnegative verschiedener Formate sowie 101 Originalmanuskripte und eine Belegsammlung.