Infrastrukturlandschaft | Texte
Die Abhängigkeit dieser Landschaften von Infrastruktur und Verkehrsnetzen wird hoch bleiben. Ästhetisch überzeugen diese Gebiete meist nicht – und ich denke, dass Anstrengungen zu ihrer Qualifizierung nötig sind, um die Lebensqualität dort zu steigern. Gebiete, in denen vorwiegend landwirtschaftliche Produktion stattfindet, und ärmere Gebiete werden sich weiter entleeren. 2030 werden einige ältere Kulturlandschaften nicht mehr bewirtschaftet sein, es wird Brachen und leere Dörfer geben. Einen Wirtschaftsaufschwung, der den Anspruch auf die Schaffung gleicher Chancen und Lebensverhältnisse flächendeckend (wieder) realisierbar machen könnte, erwarte ich nicht. Die Reste der kleinteiligen, agrarisch geprägten Kulturlandschaft, die nach wie vor noch die Idealvorstellungen von schöner Landschaft beherrschen, werden verschwinden, wenn keine sinnvollen Strategien des Umgangs mit ihnen gesucht und gefunden werden.
(*Susanne Hauser:

Und gerade weil Landschaften – nennt man sie nun Kulturlandschaften oder nicht – Teil der Geschichte sind und auch Geschichte machen sind die Veränderungen von Landschaften nur so begrenzt zu steuern wie alle anderen historischen Prozesse auch nur begrenzt zu steuern sind.
Ein Metakriterium kann vielleicht sein, dass Kulturlandschaften dann wichtig sind, erhalten oder neu erschaffen werden sollen, wenn der Umgang mit ihnen von Seiten der Bevölkerung, als Gewinn von Lebensqualität begriffen wird: Sei es zur schlichten Erholung, sei es, weil sich hier Vorstellungen von „Natürlichkeit„ oder „Harmonie“ erfahren lassen, sei es, weil hier ein Bedürfnis nach historischer Vergegenwärtigung erfüllt wird, sei es, weil es als Teil einer lokalen Identität begriffen wird oder schlicht, weil es ökonomisch bedeutsam ist.
(*Rebecca Habermas:

Kulturlandschaft impliziert dann die Sesshaftigkeit einer Bevölkerung, ihre Anpassung an lokale natürliche Voraussetzungen und soziale Bedingungen, spezifische Arbeitsprozesse, eine daraus entstehende charakteristische Landschaft – und, aus allem folgend, eine selbstverständliche Eigenart oder Identität der Bewohner und Bewohnerinnen. Abgeschlossenheit und Eigenart haben sich im langen Prozess der Modernisierung, der Technisierung und der Integration in immer größere Märkte abgeschwächt oder auch aufgelöst. Das gilt für urban wie agrarisch geprägte Kulturlandschaften, die sich stark verändert haben und sich weiter verändern werden. Zu diesem Zusammenhang gehören Erzählungen, die als allgemeine Gesprächsgrundlage anerkannt sind, Strukturen und Eigenschaften der Umgebung, geteilte Gegebenheiten des Alltags, auch geteilte Klischees. Entscheidend aber sind emotionale Erfahrungen, in dem als Bezugsrahmen dieser Erfahrungen erlebten Raum. Darüber entsteht ein sozialer Raum, in dem lokal spezifische Themen zwanglos kommuniziert werden können.
(*Susanne Hauser:

Ich denke, dass nachwachsende Rohstoffe ein Element sein werden, das man auch in der Landschaft sieht. Die Landschaften werden dadurch ein anderes Bild bekommen. Ich hoffe, dass mit regenerativen Energien, wozu auch Wind- und Solarenergie gehört, auch immer ein ästhetischer
Gesichtspunkt verbunden sein wird. Dieser Aspekt fehlt jetzt leider oft bei der Einführung dieser neuen Elemente, wie Windkraftanlagen, in die Landschaft.
(*Rolf Kuhn:
*Die Zitate sind – wenn nicht anders gekennzeichnet – folgender Publikation entnommen:
Wie wird die Landschaft 2030 aussehen?, in:
Beteiligte Künstler
Robert Grahn
Robert Grahn ist ein deutscher Luftbildfotograf und Inhaber der Agentur euroluftbild.de
Richard Peter jun.
Richard Peter jun. (* 13. März 1915 in Essen; † 12. Januar 1978 in Dresden) war ein deutscher Fotograf und Industriefotograf. In den 1980er Jahren gehörte der Dresdner Bildjournalist Richard Peter jun. zu den prominenten Fotografen der DDR Der fotografische Nachlass von Richard Peter jun. wurde 1984 durch die Deutsche Fotothek erworben. Der Bestand umfasst rund 4.000 Kleinbild- und 13.500 Mittelformat-Negative sowie rund 1.000 Positive 18/24 und 30/40 aus dem Zeitraum 1948 bis 1973. Im Jahr 2012 wurden – unter Auslassung von Zweitbelichtungen und Dubletten – rund 3.500 Kleinbild- und 6.500 Mittelformat-Negative digitalisiert. Die Präsenz Peter jun. im Archiv der Fotografen soll dahingehend stimulieren, die Werke von Pressefotografen als zentrales Feld politischer Öffentlichkeit auch daraufhin zu untersuchen, wie Bilder in der DDR produziert, vervielfältigt, vermarktet und publiziert worden sind.